Spendenlauf „Bolli’s Via – Der Weg ist das Spiel“

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Liebe BoliVIDA-FreundInnen, Challenge-LiebhaberInnen, Outdoor-Menschen und Radtour-Reisende,

diesen Sommer startet das BoliVIDA Lama-Maskottchen Bolli eine Tour durch ganz Deutschland!
Damit Bolli ab Anfang August möglichst viele neue Orte entdecken kann, brauchen wir eure Unterstützung! Wir starten ein großes Experiment und möchten uns und euch herausfordern: Wie weit schafft es Bolli von uns transportiert zu werden?

Die Idee ist, dass wir ein großes Netzwerk bilden und Bolli von einem Teilnehmenden zum nächsten weitergegeben wird. So legt Bolli sicherlich einige umweltfreundliche Kilometer zurück. Es sind alle Transportmittel erlaubt, die durch eigene Körperkraft bewegt werden: Fahrrad, Inliner, zu Fuß, eBikes, Kanus, Einräder…

Wir werden also ganz ohne Benzin unterwegs sein, doch etwas „Sprit“ ist trotzdem nötig…
Mit dieser Challenge sammeln wir Spenden für  Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen, die im „Proyecto Don Bosco“ in Santa Cruz (Bolivien) ein neues Zuhause gefunden haben. Dabei kommt der volle Spendenbetrag dem „Proyecto Don Bosco“ zu Gute.

Web-Seminar Corona in Bolivien

Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf sozioökonomisch schwache Länder Südamerikas mit Fokus auf das Kinderheim „Proyecto Don Bosco“ in Santa Cruz, Bolivien

Sie würden gerne wissen, wie Menschen in einkommensschwachen Ländern mit der Corona-Pandemie umgehen? Sie ahnen, dass nicht nur in den USA und in Europa die Wirtschaft stark eingebrochen ist, aber hören in den Nachrichten nichts über die aktuelle Situation in Südamerika? Sie möchten wissen, wie es Kindern in sozialen Einrichtungen dort zurzeit geht? Sie haben Interesse, Interviews mit Betroffenen zu diesen Themen live mitzuverfolgen und eigene Fragen zu stellen?

Dann freuen wir uns, Sie zur ersten Online-Veranstaltung in Form eines Web-Seminars des gemeinnützigen Vereins BoliVIDA e.V. begrüßen zu dürfen! In einem Youtube-Video berichten zur aktuellen Lage in Südamerika, besonders im „Proyecto Don Bosco“ in Santa Cruz, Bolivien.

Wir – Miriam, Gabriel und Katharina – sind ehemalige Volontär*innen, die bis vor Kurzem vor Ort waren und bis heute in regem Kontakt zu Personen vor Ort stehen.

Vereinsausflug zum Reggaeton Beach Festival 2019

Von Paula Abbate

Der 18. Mai dieses Jahres war ein Datum, das in vielen unserer Kalender schon seit langem rot angestrichen war. Der jährliche Vereinsausflug zum Reggaeton Beach Festival stand bevor!

Bereits das dritte Jahr in Folge trafen wir uns bei strahlendem Sonnenschein in Köln, um gemeinsam zu lateinamerikanischen und karibischen Rhythmen das Tanzbein zu schwingen, lauthals mitzusingen und den BoliVIDA-Spirit zu spüren. Ein Höhepunkt waren die Performances der Künstler „Piso 21“ und „Gente de Zona“. Besonders schön war außerdem, dass BoliVIDA e.V. an diesem Tag mit 15 Mann und Frau vertreten war. Wahnsinn!

Warme Füße für den guten Zweck

Von Luise Brosig

Während draußen die kalte Jahreszeit begann, drehte sich gegen Ende des Jahres wieder ein Großteil der Vereinsgespräche um unsere schon altbekannten Freunde Nicole,  Hannelore,  Horst und Svenja.

Schon im vergangenen Jahr hatten diese vielen unserer Freunde die Köpfe oder Füße gewärmt und so war der Andrang auf sie auch in diesem Jahr wieder sehr hoch.

Für alle jetzt Verwirrten: Hinter den genannten Namen verstecken sich Produkte der „Neuen Masche“, einem Verein, der Fundraising mit Hilfe von liebevoll gestalteten, nachhaltig hergestellten und in einer Behindertenwerkstatt verpackten Produkten, kinderleicht macht. Die Auswahl beginnt dabei klassisch mit Socken in allen Farben, Größen und vor allem Musterungen und endet noch lange nicht bei Postkarten, Trinkflaschen, Mützen oder Gewürzen.

Im November und Dezember wurden also  sowohl im Raum Köln, als auch in der Gegend um Jena, fleißig Bestellungen eingesammelt, sodass einige Wochen später 320 Produktboxen in vier gigantischen Paketen eintrafen.  Mittlerweile  werden diese von allen Helfern fleißig ausgepackt und verteilt. Die Freude darüber ist bei allen groß und bestimmt werden einige Ronjas, Svens und Roswitas noch ein Plätzchen unter dem Weihnachtsbaum abbekommen…

Insgesamt konnten wir mit der Aktion eine Spendensumme von 1280 € sammeln, die im kommenden Jahr sicherlich zur Unterstützung unseres Projektes in Santa Cruz hilfreich sein wird und dort vielleicht der ein oder anderen Maria, Carla oder einem David ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann.

Ein großes Dankeschön geht zum Schluss an alle Freunde, Bekannte und Verwandte, die mit ihren zahlreichen Bestellungen nicht nur ihre Füße für frostige Zeiten ausstatteten, sondern auch unseren Verein in diesem Jahr wieder tatkräftig unterstützten!

Vereinstreffen in Münster – März 2019

Von Maite Görtz Lizarraga

Wir dürfen nun nach der Wahl des neuen Vorstandes Clara und Franzi beglückwünschen und freuen uns darauf die Vereinsarbeit mit den beiden weiter zu gestalten!

Neben unserer Vereinssitzung durften wir an diesem Wochenende in Münster gleich zwei Gottesdienste in der Petrikirche mitgestalten. So wurden im Vorhinein eifrig geprobt und noch ein paar Freunde und Bekannte eingeladen, um uns bei Musik und Tanz zu unterstützen. Die beiden Gottesdienste haben uns sehr viel Freude bereitet und auch die Gemeinde empfand diese als sehr lebendig und anregend. Extra für unsere Gottesdienste in Münster, wurde eine Predigt zum Evangelium „Der verlorene Sohn“ geschrieben, die in der Gemeinde großen Anklang fand. Einen Ausschnitt wollen wir daher hier mit euch allen teilen.

Der   Grundgedanke   stammt   von   einem   T-Shirt, welches die Kinder bei besonderen Anlässen tragen, mit dem aufgedruckten Spruch:

„Amame cuando menos lo merezca, porque será cuando mas lo necesite.”

„Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdiene, dann werde ich es am meisten brauchen.“

Für uns als Freiwillige, aber auch als Mitmenschen war dieser Spruch immer wieder eine Erinnerung und ein Ansporn, die ihm zugrunde liegende Herausforderung anzunehmen; Liebe und Zuneigung zu schenken. Auch wenn es mal nicht so rund lief und es eigentlich zum Verzweifeln schien, konnten wir nur versuchen, neue Chancen zu schenken und besonders dann die Zuneigung ernst zu meinen.

Wie viel von dieser Zuneigung ankommt und wie viel dies verändern kann, weiß man nie. Vielleicht ermuntert sie Einzelne, vielleicht regt sie Einzelne zum Nachdenken an, vielleicht gibt sie Einzelnen das Gefühl zu Hause zu sein. Hineinschauen kann ich nur in mich selbst und sehe, dass die Zeit als Freiwillige mich bewegt hat. Die Herausforderung des Spruchs hat mich an meine Grenzen gebracht, mich manchmal aus den Augen verlieren lassen, warum ich das eigentlich alles mache, mir Mühe gebe mit etwas, das nicht zu fruchten scheint.

Ich bin selbst verloren gegangen. Ich habe gemerkt, dass sich mir die Herausforderung stellt und dass ich die Herausforderung bin und das gleiche   T-Shirt   anhabe   wie   die   Jungen,   den gleichen Spruch im Rücken trage. Ich bin mir nicht sicher, wie viel ich in meiner Zeit als Freiwillige geben konnte, aber ich weiß wie viel ich mit auf den Weg bekommen habe. Genau so viel? Nein viel mehr.

Und genau das habe ich auch versucht mitzunehmen. Das alles trifft ja nicht nur in Bolivien im Hogar Don Bosco zu, sondern begegnet uns allen auch im Alltag. Wir alle sind immer wieder auf der Suche, machen Schritte in die eine oder andere Richtung und probieren Neues aus. Egal, ob am Anfang eines neuen Lebensabschnittes oder einfach mitten im alltäglichen Trott. Dabei können wir auch manchmal verloren gehen, so wie der Sohn im Gleichnis.

Wir verlieren unseren Weg aus den Augen, wissen nicht mehr, was der Weg eigentlich überhaupt sein soll. Kümmern uns viel zu sehr um Unwichtiges. Wir gehen in der Jagd nach Reichtum, Erfolg, Perfektion oder dem traumhaften Körper verloren. Verlieren können wir uns auch in Tätigkeiten, die uns erfüllen, in denen wir aufgehen. Was schön ist, uns aber manchmal einen Tunnelblick aufsetzt. Damit machen wir es sicherlich auch unserem Umfeld nicht immer leicht. Fordern unsere Familie, Freunde und Bekannte heraus, uns trotzdem zu mögen, uns anzunehmen, mit uns Zeit zu verbringen und uns nicht aufzugeben.

Dabei ist es eine Herausforderung so zu sein wie der Vater, der dem verlorenen Sohn entgegenkommt, ihm eine Umarmung schenkt und ihm eine neue Chance gibt.

Das Evangelium sagt aber nicht nur etwas über das Miteinander unter uns Menschen aus, sondern veranschaulicht auch Gottes Beziehung zu uns Menschen. Wir finden uns in den Brüdern wieder, wenn wir verloren gehen und können uns den Vater als Vorbild nehmen, doch Jesus spricht die Einladung aus, darauf zu vertrauen, dass Gott wie der Vater ist: Bedingungslos liebend, nach uns Ausschau haltend, an unserer Seite, wenn wir es zulassen. Er lädt uns ein, uns nicht alleine zu fühlen, egal wo auf der Welt: Egal, ob Junge oder Freiwillige im Kinderheim in Bolivien, als Studierende in Münster, als Familienmitglieder oder Arbeitskolleg*innen.    Daher    kann    der    T-Shirt- Spruch als Ansporn für uns selber in der Begegnung mit anderen Menschen und auch als Erinnerung an das Vertrauen, dass wir in Gott haben dürfen stehen:

“Amame cuando menos lo merezca, porque será cuando mas lo necesite.”

„Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdiene, dann werde ich es am meisten brauchen.“

Bolivianische Klänge in Langenfeld

Von Franziska Robl

Am 19. Mai haben wir das Beisammensein in und um Langenfeld genutzt, um wieder einmal ein Stück bolivianische Rhythmen in den dortigen Sonntagsgottesdienst zu tragen. Neben dem gewohnten Ablauf musste sich die versammelte Gemeinde also auf spanischsprachige Lieder, begleitet von Gitarre, Klarinette und Cajón, sowie lautem Klatschen einstimmen. Daneben durften auch unsere „animacantos“ nicht fehlen. So kann man wieder einmal sagen, dass auch lange Zeit nach unserer Rückkehr in den deutschen Alltag – egal, ob diese Monate oder Jahre zurückliegt – die bekannten Lieder ein Stück bolivianische Heimat und Erinnerungen an eine unvergessliche Zeit in unsere Herzen und ein Lächeln auf unsere Lippen zaubern. Noch schöner ist, dass die geteilten Erinnerungen uns immer wieder zusammenschweißen und darüber hinaus „unser“ Bolivien sogar für die Menschen erfahrbar macht, die noch nie einen Fuß in das Land im Herzen Südamerikas gesetzt haben. Die Mischung unserer Zuhörer*innen ist bunt an diesem Sonntagvormittag – auch, weil neben unserem Verein, ein Paar anlässlich seiner goldenen Hochzeit mit einigen Familienangehörigen zu Gast ist.

Beim anschließenden Beisammensein im sonnigen Innenhof gehen neben den üblichen artesanía- Produkten, also kleinen Geldbörsen, Schlüsselanhängern und Federmäppchen aus Santa Cruz, auch Snacks wie Cuñapes und Empanadas sowie die argentinischen  Alfajores  auf Spendenbasis über die improvisierte Theke.

Vom,  an  der  St.-Martins-Kirche ansässigen Eine- Welt-Laden wird unser Sortiment noch um Getränke und Fairtrade-Produkte aus Lateinamerika erweitert – nochmals herzlichen Dank für das Engagement und die wunderbare Zusammenarbeit. So bleibt bei einem erfrischenden Getränk und einem Stück Lateinamerika auf der Zunge auch noch reichlich Zeit zum Austausch. Für uns trennen sich damit wieder die Wege und wir verabschieden uns von Langenfeld und einem schönen gemeinsamen Wochenende. Zum Abschied heißt es hasta luego – Machts gut und bis bald!

Alltag einer Freiwilligen im Hogar Don Bosco

Von Theresa Fehrenbach

Noch bevor ich das Hogar betrete, sehe ich, wie die Jungs sich kabbelnd auf den Weg in die Schule machen. Isaid springt Fernando auf den Rücken; schlechte Idee. Bei seinem doppelt so großen Freund sieht er dabei aus, wie ein kleines Äffchen, nicht wie ein Angreifer.

Leandro entdeckt mich als Erster und kommt auf mich zu. Erst vor drei Monaten wurde er zu uns gebracht: „Ich komme von der Straße, Eltern habe ich nicht.“ Er ist groß und stottert ein wenig. Anfangs war er sehr aggressiv und misstrauisch. Hat mit kaum jemandem reden wollen. Jetzt schaut er mich aus seinen braunen Augen an und drückt mich so fest, dass mir die Luft weg bleibt. Ich lächle und wünsche ihm „Un buen día!“.

Nachdem ich Angel die Schuhe gebunden habe, Joselos Rucksack gefunden und alle Kleinen in die Schule gebracht habe, setzte ich mich zu unseren Erziehern. Während wir Wäsche falten und die Aktivität für morgen vorbereiten, quatsche ich mit Lisa. Sie arbeitet seit über 10 Jahren im Hogar und kennt die Jungs wie ihre eigenen 4 Kinder.

„Um fünf Uhr ist selbst in Santa Cruz mal tote Hose“, beginnt sie von ihrem Tag zu erzählen. Sie muss früh in die Uni, weil sie gerade noch eine Ausbildung zur Krankenschwester macht. Wenn Lisa um 12 Uhr dort fertig ist, lohnt es sich nicht nach Hause zu fahren, denn der Weg ist zu weit. Also kommt sie direkt ins Hogar, wo sie bis 21 Uhr arbeitet. Dann holt sie ihren Sohn von der Kinderstätte nebenan ab und hofft, ihre Mutter noch anzutreffen. Zu spät. Sie bringt den Sohn ins Bett und wäscht die rumliegende Wäsche. Endlich setzt sie sich an den Schreibtisch, um für die Prüfungen zu lernen.

Von 5 bis mindestens 24 Uhr. Lisa ist eine unglaublich starke Frau und hat die Jungs unter Kontrolle, wie kein anderer. Trotzdem frage ich mich, wie lange sie wohl noch so weiter machen kann.

Gerade  habe  ich  die  letzten  T-Shirts  verstaut,  da geht es endlich wieder zur Schule, die Jungs abholen. Manuel rennt mir freudestrahlend entgegen. Er ist 9 und wurde gerade erst eingeschult. Noch immer hat er keine Dokumente und dürfte eigentlich nicht zur Schule. Glücklicherweise hat die Direktorin mal ein paar Augen zugedrückt. Manuel ist ein sehr begabtes Kind, ihm fehlt nur jegliches Selbstbewusstsein. Obwohl er wirklich gut malen kann, hält er mir bei der Manualidad seinen Pappefisch entgegen und sagt: „Ich kann das nicht!“ Er beginnt zu weinen, schmeißt den Fisch auf den Boden und meint: „Ich kann gar nichts!“ Und nun rennt er mir entgegen und öffnet stolz sein Heft. Ich muss ihn gar nicht mehr fragen, was er heute gelernt hat, es sprudelt nur so aus ihm heraus.

Mittwoch ist Sporttag. Also rennen die Jungs die paar Meter nach Hause, feuern ihre Rucksäcke in die Ecke und holen den Ball raus. Ein jeder fängt an zu toben:

40 Jungs auf einem kleinen Fußballfeld, die Jüngsten mit ihrem eigenen Ball nebenan und die wenigen, die sich nicht zu den Fußballfanatikern zählen, klettern die Rutsche hoch.

Sie spielen, wie nur Kinder es können und scheinen die Welt um sich herum zu vergessen.

Ich geselle mich zu Christian, der allein am Rand sitzt. Während er die anderen beobachtet, konstruiert er mit einem zusammengebundenen Band die faszinierendsten Formen. Wir spielen das Fadenspiel, da fällt mein Blick auf die große Narbe an seinem Oberschenkel.

Er bemerkt meinen Blick und meint schulterzuckend: „Ist von Mama.“ Erschrocken schaue ich ihn an. Er erzählt mir, wie er mal wieder von zu Hause abgehauen ist.

Er sei nicht weit gekommen, da habe der Freund seiner Mutter ihn aufgegabelt. Als er dann nach Hause kam, setzte er sich zur Mutter an den Küchentisch. Sie kochte vor Wut und stieß ihm kurzerhand mit einem Messer ins Bein. „Es fing fürchterlich an zu bluten, also haben sie mich ins Krankenhaus gebracht. Danach durfte ich nie wieder nach Hause.“

Wie viele Jungs im Hogar hat das bolivianische Jugendamt auch ihn ins Heim gebracht. Aus Schutz vor Gewalt und Missbrauch.

Ich sehe ihn an, so gerne würde ich etwas sagen. Aber da ist nichts. Ich nehme ihn in den Arm und so sitzen wir da, bis es zum Essen klingelt.

Dann ist duschen angesagt und ich  teile  die Wäsche aus. Nacheinander rufe ich sie in den Raum und frage, wie ihr Tag war. Ruben fängt an zu erzählen. Weil aber noch 40 andere Jungs vor der Tür warten, setze ich Ruben neben mich. „Frau Chávez hat uns heute Bilder von der Salzwüste gezeigt! Wie kann es sein, dass es da aus der Erde dampft, wenn es doch so kalt ist? Während ich John eine Sporthose in die Hand drücke („Porfa!! Ich  habe heute Kunfu, ich muss mich dehnen  können!“), versuche ich es ihm zu erklären.

Nachdem die ein oder andere Handtuchschlacht beendet wurde und sich fast alle die Zähne geputzt haben, gehen langsam die Lichter aus.

Heute beginne ich im Dormitorio 5 Gute Nacht zu geben, schließlich hat mich Fernando schon beim Abendessen um seine Pizza-Massage gebeten. Als ich hineintrete, rufen 9 Jungs „Una canción, porfa!“. Während ich ihnen also Only you vorsinge, gehe ich von Bett zu Bett. Fernando bekommt seine Massage, Hernan will nur ein Kreuzzeichen. Als das Lied verklingt, ist alles still. Ich mache die Tür zu und betrete den nächsten Schlafsaal…

Gegen halb zehn verlasse ich schließlich das Hogar. Ein kühler Wind streift meine Wangen, während ich müde und zufrieden den kurzen Weg nach Hause laufe.

Präsidentschaftswahlen

Von Katharina Schilcher

Als im Dezember 2016 die US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen anstanden, wusste jede*r darüber Bescheid, denn die Medien spielten fast verrückt, ob nun Donald Trump der neue Präsident der vereinigten Staaten werden würde. Anders war es bei der diesjährigen Präsidentschaftswahl in Bolivien, welche im Oktober 2019 stattfand. Wenige wissen wahrscheinlich, dass es sie gab, noch weniger welche Unruhen und Konflikte sie auslöste. Um die Hintergründe der konfliktreichen Wahl zu verstehen, hier ein kurzer Einblick in die derzeitige politische Situation Boliviens.

Seit dem Jahre 2005 regierte Evo Morales Bolivien, damals siegte er mit absoluter Mehrheit in seiner ersten Wahl. 2009 stand die nächste Wahl an, welche er wiederum gewann. In diesem Jahr wurde die Verfassung geändert, unter anderem dahingehend, dass man nur zwei aufeinanderfolgende Präsidentschaften innehaben dürfe. 2014 stand die nächste Präsidentschaftswahl an – und Evo Morales nahm wiederum teil. Seine Partei (Movimiento al Socialismo) überzeugte das Verfassungsgericht, dass Morales Antritt verfassungsgemäß sei, da seine erste Präsidentschaft (2005-2009) vor der Verfassungsänderung gewesen war. Auch 2014 gewann er. 2016 wollte Evo Morales oben genannten Punkt der Verfassung abschaffen, das Volk stimmte dagegen. Jetzt, 2019, ließ er sich trotzdem zum vierten Mal aufstellen, um das Land weitere fünf Jahre zu regieren, doch diesmal war ein Großteil der Bürger nicht damit einverstanden. Zum einen war sein Wiederantritt verfassungswidrig, was Evo Morales persönlich mit den Worten „Präsidentsein ist ein Menschenrecht und die Menschenrechte stehen über der Verfassung“ aber leugnete, zum anderen waren viele Bürger*innen unzufrieden mit seiner Politik. Vor allem in der relativ wohlhabenden, wenig indigenen Stadt Santa Cruz de la Sierra waren die

Menschen Morales Politik und vor allem seines Wahlkampfes überdrüssig. Einen wichtigen Grund dafür werde ich nun im Folgenden erläutern. 2015 erließ er ein Gesetz, das die Brandrodung großer Waldflächen erlaubte, um das 2013 gesetzte Ziel der Verdreifachung der Agrarflächen Boliviens zu ermöglichen. Im Juli 2019 kam ein weiterer folgenreicher Beschluss dazu. Die restlichen Beschränkungen, die noch in den trockenen und heißen Regionen Santa Cruz und Beni galten, wurden erlassen, um demnächst Rindfleisch nach China und in alle Welt exportieren zu können. Die Folgen dessen waren verheerende Waldbrände, unkontrollierte Vernichtung von Bäumen und seltenen Tieren, die weit über dem bis dato bekannten Niveaus lagen. Dazu kam die Produktion von Unmengen an klimaschädlichem CO2 sowie eine Feinstaub- und Rußbelastung, die bis in die Städte reichte. Die Bewohner*innen von Santa Cruz berichteten, dass der Rauch eine Sichtweite von gerade mal einem Häuserblock zuließ, ganz zu schweigen von den nicht sichtbaren gesundheitlichen Folgen für die Menschen. Und wie reagierte Evo Morales? Gar nicht! Seines Wahlkampfes zugute, wollte er kein Aufsehen erregen, löschte die Brände nicht und rief auch nicht den Notstand aus. Die zerstörerischen Folgen seines Handelns konnte er vielleicht im weit entfernten Hochland unter den Tisch kehren, nicht jedoch bei den fast zwei Millionen Einwohner*innen der Stadt Santa Cruz. Hier gingen die Menschen zahlreich auf die Straßen und demonstrierten gegen die Wiederwahl von Evo Morales.

Quellen: https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-10/evo- morales-bolivien-praesident-naturschutz- waldbraende/seite-2 https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-11/bolivien- parlament-neuwahlen-evo-morales-einigung BBC News Mundo: https://www.youtube.com/watch?v=zfMvqmn0Bb4 https://www.eldeber.com.bo/154100_datos-de- viaciencia-confirman-segunda-vuelta-en-bolivia-morales- obtuvo-439-y-mesa-394  

Als dies publik wurde, kam es zu vielen Protesten  auf der Straße, Carlos Mesa rief zum Generalstreik auf und die Polarisation gegen Evo Morales verstärkte sich. Vor allem diejenigen, die  schon zuvor gegen Evo Morales waren, gingen auf die Straße, doch auch Anhänger von Carlos Mesa, die einen zweiten Wahldurchgang wollten, waren dabei. Dazu kamen die Unterstützer des rechten Aktivisten Luis Fernando Camacho aus Santa Cruz, der als Anführer der Protestbewegung gegen Evo Morales gilt. Nach über drei Wochen landesweitem Ausnahmezustand mit            Straßensperrungen, gewaltvollen Ausschreitungen seitens und gegen Militär und Polizei, wurde nicht nur für eine zweite Wahlrunde entschieden, sondern Evo Morales selbst zog seine Kandidatur zurück.  Allerdings nicht ganz freiwillig, denn das Militär hatte ihm Mitte November nahegelegt, sein Mandat für das Wohl Boliviens abzulegen, weshalb Evo Morales die Situation als Staatsstreich wertet. Carlos Mesa hingegen ist überzeugt davon, dass nicht das Militär, sondern die „massive bürgerliche Mobilisation“ Evo Morales dazu zwang, seine Kandidatur zurückzuziehen und es sich deshalb nicht um einen Staatsstreich handle.

Zu einer vollständigen Beruhigung der Lage kam es bis heute nicht, es gibt zwar weitgehend keine Brandstiftung, Vandalismus und aggressiven Ausschreitungen mehr, doch nun werden Putsch- Gegner wahllos verhaftet und die vom obersten Wahlgericht eingesetzte Übergangsregierung sorgt nur begrenzt für Ordnung.

Quellen: https://es.wikipedia.org/wiki/Luis_Fernando_Camacho https://amerika21.de/2019/12/234985/neuwahlen- bolivien-im-maerz-2020 https://brasil.elpais.com/brasil/2019/11/11/internaciona l/1573500916_562089.html https://www.theguardian.com/world/2019/dec/07/evo- morales-heads-to-cuba-amid-talk-of-an-eventual- comeback Interviews mit Bürger*innen aus Santa Cruz de la Sierra, Bolivien. Abbildung: El Deber Diario Mayor, 22.10.2019, Titelblatt.  

Die Neuwahlen werden im März 2020 stattfinden, Carlos Mesa will kandidieren und neben ihm nun auch Luis Fernando Camacho, der Aktivist aus Santa Cruz. Ob der wohlhabende, rechtsorientierte Politiker der bolivianischen Gesellschaft helfen wird, ist allerdings fraglich. Evo Morales ging nach seinem Rückzug am 12. November 2019 ins Exil nach Mexiko, am 6. Dezember 2019 weiter nach Cuba mit dem Plan sich danach in Argentinien niederzulassen.

Ein eigenes Leitbild

Von Clara Seifert

Da die meisten unter uns Laien auf diesem Gebiet sind, hatten wir mit der Ausformulierung eines Leitbildes zunächst reichlich Schwierigkeiten. Auf unserem Vereinstreffen im März 2019 in Münster nutzten wir die Gelegenheit, dass wir alle auf einem Haufen waren. Einige Stunden saßen wir vor einer großen Flip-Chart und hatten beim Brainstorming viele, nahezu endlos scheinende Diskussionen. Doch tatsächlich, kaum zu glauben, stand am Ende des Vereinstreffens ein nahezu ausformuliertes Leitbild, welches, ergänzend zu unserer Satzung, die wichtigsten Aspekte unseres Vereins und unserer Vereinsarbeit beinhaltet. Wieder einmal ein Zeichen, dass zusammen sehr viel geschafft und erreicht werden kann!  

Die Ziele, die wir uns setzen, werden in kurz- und langfristige Ziele unterschieden. Zu den kurzfristigen zählen beispielsweise der finanzielle Beitrag zur Deckung der laufenden Kosten im Proyecto Don Bosco, aber auch die Weitergabe von Informationen zu Land, Leuten und Leben in Bolivien.

Dies wollen wir vor allem durch Aktionen, die wir von Seiten des Vereins organisieren und planen, erreichen. Zu den langfristigen Zielen gehören beispielsweise die Förderung des kulturellen Austausches, aber auch eine möglichst vielseitige Darstellung des Freiwilligendienstes.

Neben den Zielen haben wir Visionen, die dem Begriff entsprechend weit in die Zukunft reichen. Darunter verstehen wir den Beitrag zur finanziellen Eigenständigkeit des Proyecto Don Bosco oder aber auch die Möglichkeit, den dort lebenden Kindern und Jugendlichen einen besseren Lebens- und Betreuungsstandard zu ermöglichen.

Was ist uns sonst noch wichtig?

Neben den Kinderrechten wollen wir uns ebenso an den Leitlinien der Salesianer Don Boscos orientieren. Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe sollen die Grundlagen unserer Vereinsarbeit bilden, darüber hinaus wollen wir die vier Grundprinzipien der salesianischen Pädagogik (Familie, Freizeit, Bildung und Spiritualität) im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen.

Das Recht auf Bildung, ein Leben in einem sicheren und gewaltfreien Umfeld und die Möglichkeit zur Selbstentfaltung sind die drei wesentlichen Aspekte, die wir mit unserer Vereinsarbeit in den Vordergrund stellen wollen.

Weihnachten in Bolivien

Von Anna Herschel

Weihnachten – Schnee, Kälte, Plätzchen, Tee, Kuscheln, Tannenbaum, Geschenke, Familie, Weihnachtspunsch,   Lebkuchen   und   und   und. All das verbindet man mit Weihnachten und fast all das    habe     ich     hier     in     Bolivien     nicht. Also habe ich hier kein Weihnachten? Das weihnachtliche Gefühl blieb bei mir  zumindest  lange Zeit aus…

Als wir dann aber, während des Sommerlagers, in der Messe des zweiten Advents saßen und die Messdiener mit der Kollekte begannen, stand ein Junge des Proyecto Don Bosco auf, lief nach vorne und wühlte in seiner Hosentasche. Er legte eine Münze in das Körbchen, wahrscheinlich die einzige, die er hatte, und lief zurück zu seinem Platz. Nach der Messe fragte ich ihn dann, für wen das Geld denn sei, das er gespendet hatte. Er antwortete: “Für die Kinder, die arm sind und nichts haben.”

Er ist einer der kleinsten unserer Jungs und ich weiß von ihm, dass er mit seinen zwei Brüdern auf der Straße gelebt hatte, bevor er ins „Hogar Don Bosco“ kam.

Seine Geste und seine Worte beeindruckten und bewegten mich sehr. Ich hatte plötzlich das Gefühl von Weihnachten, ganz ohne Kälte und Gemütlichkeit und bemerkte schließlich, dass Weihnachten eben nicht das ist, womit ich es immer verbunden hatte.

Weihnachten ist Liebe im Großen und im Kleinen – und diese Liebe gibt es überall auf der Welt.

Ich werde hier definitiv ein oberflächlich ganz anderes Weihnachten feiern und alles, was für mich normalerweise dazugehört, bestimmt vermissen, aber die Weihnachtsbotschaft ist dieselbe und verbindet uns und alle Menschen dieser Welt – egal wo, egal ob reich oder arm, jung oder alt, gesund oder krank. Ich bin dankbar, dass ich dieses Jahr Weihnachten hier bei diesen Kindern verbringen und mit ihnen feiern darf.

Plastikweihnachtsbaum unter bunt leuchtenden Palmen im Zentrum von Santa Cruz.