Ein ganz normaler Nachmittag

Nach einem schnellen Mittagessen, machen Antonia und ich uns dann auf den Weg zur Arbeit. Etwas keuchend kommen wir um 14:00 Uhr gerade noch pünktlich im Hogar an, lassen uns von kleinen Armen zerdrücken und scheuchen zusammen mit der Morgenschicht die letzten Jungs der Infantil (6-13 Jahre) in die Schule.

Zehn Minuten später schickt das laute Klingeln die Jungs der Juvenil (13-15 Jahre) in Sala 3, wo nun die Hausaufgabenbetreuung beginnt. Hier versuche ich mich also wieder in Polynomdivision rein zu fuchsen, helfe bei Englischhausaufgaben oder male ein Kunstprojekt fertig. Durch diese 2 Stunden bekomme ich die Möglichkeit, auch die älteren Jungs besser kennenzulernen und habe so mit allen Altersgruppen des Hogars etwas zu tun.

16:10 Uhr Wieder klingelt es und alle rennen aus dem Raum, um im Essensaal ihre Merienda (Zwischenmahlzeit) einzunehmen. Für mich gestalten sich die nächsten 2 Stunden immer unterschiedlich: Wenn keine Wäsche sortiert werden muss, helfe ich entweder denen, die ihre Hausaufgaben noch nicht fertig haben oder spiele mit Antonia und den 6 Jungs der Infantil, die nicht zur Schule gehen können.

18:00 UhrMit den 6 Jungs & den anderen beiden Erziehern laufen wir zur Schule, die direkt ans Hogar anschließt, um die Jungs abzuholen. Jetzt beginnt die turbulentere Zeit des Tages: Die 50 köpfige Gruppe unterteilt sich in Große & Kleine und jetzt besteht  die große Aufgabe darin alle Kinder unter die Dusche zu bekommen. Ich verteile dabei Shampoo, Unterhosen und Kleidung und versuche nebenbei noch die Jungs anzutreiben, denen Spielen oder Träumend-in-der-Ecke-Sitzen gerade attraktiver als die Dusche erscheint.

Um 19:00 Uhr gibt es dann Abendessen, wobei ich beim Essenverteilen aufpassen muss, dass auch alle Jungs meines Tisches genau gleich viele Spagetti bekommen. Dann gilt es, den träumenden José zum Essen zu animieren, während Victor schon wieder Nachschlag will, Jaime vom Nachbartisch davon abzuhalten Matias zu ärgern und Ruben zum Hinsetzen zu bringen…

Bis zum Bettgehen ist dann noch Zeit für die Abendaktivität. Das bedeutet

  • montags: Brettspiele
  • dienstags: Basteln & Malen
  • mittwochs: Sport
  • donnerstags: Rosenkranz beten
  • freitags: fernsehen

Mit jeweils 3 Kindern an einem Arm bringen wir sie dann gegen 20:30 Uhr in ihre Schlafsäle. Nachdem wir fast alle zum Zähneputzen überreden konnten, beginnt eine wunderschöne Zeit: Antonia und Ich setzen uns an jedes Bett, um Gute Nacht zu sagen. Egal wie der Tag lief, hier wird alles wieder gut: Wenn ich von warmen braunen Augen angeschaut werde, während ich Emanuel wie jeden Abend eine Geschichte erzähle oder John etwas vorsinge. Wenn ich Fabian eine Pizza-Massage mache, mit Matias bete oder mich von Leonels kleinen Armen zerdrücken lasse.

Gegen 21:30 Uhr schlendern wir dann müde, aber glücklich zurück nach Hause!

Endlich Wochenende!

Nachdem wir Volontäre unseren freien Freitag in einem Park, einem naheliegenden Dorf oder einfach mal Zuhause verbracht haben, beginnt das Wochenende. Hier sehen die Aktivitäten immer anders aus als unter der Woche, aber was bedeutet das genau?

Anstatt in eine Morgens- und Abendschicht unterteilt zu werden, arbeiten wir am Wochenende alle 4 gemeinsam. Die Erzieher haben frei, und so liegt bei uns und den Hermanos Mayores die Hauptverantwortung. Hermanos Mayores heißt „große Brüder“ und eine ähnliche Rolle übernehmen sie auch: Sie sind die ältesten Heimjungen, zwischen 16 und 19 Jahre alt und wurden vom Leiter des Projekts ausgewählt, die Verantwortung für die Jüngeren zu übernehmen. Nachdem die Kinder morgens Haus-, und Schuhputz erledigen mussten, freuen sie sich auf einen aufregenderen Nachmittag:

Unsere Schicht beginnt um 14 Uhr, sofort verteilen wir Badehosen und die Sonntagskleidung. Das nimmt ruhig mal eine Stunde in Anspruch, wenn man im Chaos für jeden Jungen eine passende Hose finden muss, David davon abzuhalten versucht den Kleidungsraum zu verwüsten und Sebastian überzeugen muss, dass ihm das T-Shirt gut steht!

Um 15 Uhr geht es dann ins Schwimmbad! Aufgeregt und überglücklich strömen die Kinder der 7 Projekte in die Becken, welche 2 Minuten vom Hogar entfernt liegen. Atemlos halte ich nach möglichst vielen Kindern Ausschau, während 5 Jungs auf mir rumspringen, im Versuch, mich zu tunken.

Um 16 Uhr pfeifen wir die Kinder lachend und schnaufend aus dem Wasser und gehen zurück ins Hogar, wo uns die Merienda (Zwischenmahlzeit) erwartet. Dann beginnt unsere Aktivität: Für jeden Samstag denken wir uns neue Spiele aus, basteln oder backen mit den Kindern. Es ist zwar anstrengend die alleinige Verantwortung übernehmen zu müssen, aber auch sehr schön, kreativ werden zu können! Gegen 18 Uhr scheuchen wir die verschwitzten, dreckigen und mit Fingerfarbe bemalten Jungs unter die Dusche. Um 19 Uhr gibt es Abendessen. Wenn sich die Jungs gut benommen haben und wir noch die Kraft finden, Töpfe zu schütteln, bereiten wir für das Fernsehen Popcorn vor. Nach dem Kino mit 5 Köpfen auf dem Schoß, bringen wir die Kinder gegen 21 Uhr ins Bett.

Geschafft, aber zufrieden gehen wir nach dem „Gute Nacht!“ gegen 21:30 Uhr nach Hause und ziemlich bald ins Bett, weil unser Sonntag schon um 7 Uhr beginnt!

Noch etwas verschlafen kommen wir also früh ins Hogar. Ich tausche Sebastian noch seine Hose, weil er der Meinung ist, sich so nicht sehen lassen zu können, binde Leonel die Schuhe und schicke alle Jungs ins Theater. Hier passen die 120 Jungs mit Erziehern rein und zusammen mit dem Pater beten wir ein Morgengebet. Außerdem erklärt er den Kindern, was uns die heutige Lesung sagen wird.

Um 8 Uhr gibt es Frühstück. Wie jeden morgen sind das 2 kleine Brötchen und ein Tee, der aus gefärbten Wasser und Tonnen von Zucker besteht. Im Anschluss müssen die Jungs das Hogar säubern, bis wir alle zur Kirche gehen.

Um 9 Uhr beginnt hier eine wunderschöne & kunterbunte Messe: Auch wenn die Kirche für alle offen steht ist sie hauptsächlich mit den Kindern der 7 Projekte besetzt. Jeden Sonntag spielt die Band und es wird getanzt.

Eine Stunde später sind alle Kirchenbesucher zur Merienda im Hogar eingeladen. Die anderen Projekte bleiben meistens bis 12 Uhr. Bis dahin unterteilen wir sie in Gruppen, spielen Fußball, Volley- oder Völkerball etc. Nicht nur die Kinder freuen sich, wenn um 12:30 Uhr die Glocke zum Mittagessen ruft: Sonntags gibt es immer Hühnchen mit Reis, einem besonderen Getränk und einem Nachtisch.

Für uns Volontäre endet das Wochenende um 14 Uhr, die Jungs aber freuen sich, dass jetzt die Erzieher wiederkommen. Auch sie überraschen die Jungs mit neuen Spielen, und füllen ihren Nachmittag, bevor am Montag die Schule wieder losgeht.

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