Zwei Herzen

Manchmal habe ich das Gefühl, es schlagen zwei Herzen in meiner Brust.

Manchmal im Gleichtakt, ohne dass ich den Unterschied spüre, doch allzu oft versetzt. Es sind zwei Welten, die nicht ganz miteinander vereinbar sind, die ein Gefühl der Zerrissenheit in mir hinterlassen. Zerrissen zwischen hier und dort. Zwischen meiner Heimat in Deutschland und einem neuen Stück zu Hause – tausende Kilometer entfernt in Santa Cruz.

Als ich aus Bolivien zurückkehrte, war dieses Gefühl, nicht zu wissen, wo genau mein Herz hingehört, am stärksten. Ich habe fast ein Jahr im Herzen Südamerikas mein Leben nicht nur mit einer Gruppe anderer Volontäre, sondern vor allem mit einer Schar von Kindern geteilt, die mich mit der Zeit immer mehr in ihre Welt eintauchen ließen. Das hat verändert und geprägt.

Anfangs war alles sehr fremd. Neue Sprache, neue Kultur, neue Menschen. Alles Vertraute in unerreichbarer Ferne. Ich war komplett überfordert, hatte Heimweh, fühlte mich allein und weder nützlich noch hilfreich für die Kinder wegen derer ich doch eigentlich diese Reise angetreten hatte. Die Stunden in diesen Wochen schienen zu kriechen. Mein Arbeitsalltag bestand aus Essen vorbereiten, Wäsche waschen, Kinder bei den Schulaufgaben oder kreativen Arbeiten betreuen ohne sie wirklich zu verstehen, Berge von Geschirr abwaschen, gemeinsames Putzen mit den Kindern. Meine fehlenden Spanischkenntnisse bauten eine große Barriere auf hinter der ich mich fast stumm fühlte und die einen wirklichen Austausch mit der neuen Umgebung oft verhinderte.

Lichtblicke gab es trotzdem – ein Kinderlachen, eine jubelnde Begrüßung am Morgen, die Gespräche und Ausflüge mit den anderen Freiwilligen…

Mit der Zeit wurden die Lichtblicke häufiger, die Barriere immer niedriger. Ich verstand endlich was die Kinder mir erzählten, die Kommunikation mit den Erziehern begann besser zu funktionieren und so konnte ich anfangen ein Teil des Teams zu werden.

Die Kinder wurden aus unterschiedlichsten Gründen vom bolivianischen Jugendamt in das Heim gebracht in dem ich arbeitete. Teilweise kamen sie aus schwierigen Familienverhältnissen, aus Missbrauchs- oder Vernachlässigungssituationen, teilweise direkt von der Straße. Sie lebten nur für einen Übergangszeitraum bei uns. Manche verließen uns schon nach wenigen Stunden wieder, andere blieben zwei Monate bis entschieden war, ob sie zurück zu ihrer Familie oder in ein anderes Heim umsiedeln sollten.

Für viele Kinder war der Aufenthalt ein Prozess der Umgewöhnung. Sie mussten lernen Regeln und Strukturen zu folgen, erhielten teilweise das erste Mal in ihrem Leben Schulunterricht und waren nicht immer gewillt, die anfallenden Haushaltspflichten zu erfüllen. Gerade den Straßenkindern fiel es oftmals schwer sich in das geregelte Heimleben einzufügen. Viele von ihnen überwanden den das Heim umgebenden Stacheldrahtzaun, flohen zurück auf die Straße. Zu groß war die Verlockung der Freiheit, die Möglichkeit eines Abenteuers, der Ruf der Drogen und der Ungebundenheit, zu geringfügig der Gedanke an die Zukunft.

Schnell kam bei diesen Kindern für mich die schmerzliche Erkenntnis, dass meine Möglichkeiten für sie etwas zu verändern auf den ersten Blick verschwindend gering waren. Der Betreuungsschlüssel war zu schlecht, es gab deutlich zu wenig psychologische Angebote für die teilweise traumatisierten Kinder. Nur allzu oft herrschte Chaos und die dringend notwendige Möglichkeit auf die Kinder wirklich einzugehen blieb den Erziehern meist verwehrt.

Mit der Zeit lernte ich, dass es trotzdem einen Weg gab, wenigstens ein klein bisschen zu helfen. Ziel war nicht, die Welt zu verändern, sondern den Kindern eine große Portion Liebe mit auf ihren steinigen Weg zu geben: Wärme und Freundlichkeit ausstrahlen, Werte und Normen vermitteln, vielleicht ein Vorbild sein, Perspektiven aufzeigen, Geborgenheit und Sicherheit geben, ein Lächeln auf die Lippen zaubern, den Kindern Momente des Kindseins ermöglichen…

Ich habe viel gelernt in diesen intensiven Monaten.

Viel über mich selbst, meine Art mit Problemen umzugehen, Kontakte zu knüpfen, Freundschaften zu schließen.

Viel über mein Verständnis von Heimat, über die Dinge, die mir wichtig sind und andere, die in den Hintergrund traten.

Viel über ein anderes Land, eine andere Kultur, darüber, dass es zwar Unterschiede, aber eigentlich viel mehr Gemeinsamkeiten gibt.

Ich habe viele Freunde gewonnen, einige sind sogar fast Familie geworden.

Viele Erinnerungen, die mich zum Lächeln, aber auch zum Weinen bringen.

Ich habe gelernt, dass ich nicht alles allein schaffe, aber auch, dass schon ein Lachen helfen kann.

Ich habe Kinder kennengelernt, die mich zutiefst berührt haben und hoffe, dass im Gegenzug auch ich sie berühren, ihnen Liebe mit auf den Weg geben konnte.

So schlagen jetzt zwei Herzen in meiner Brust. Eines im Rhythmus meines wieder eingekehrten Alltags in Deutschland und das andere, welches immer noch zu Reggaeton und Kinderlachen tanzt.

— Luise

Bolivianischer Gottesdienst in Denzlingen

Wenn uns jemand fragen würde, welche denn die eindrücklichste Erfahrung sei, die wir während unseres Freiwilligendienstes machen durften, dann ist das schwer zu beantworten. Genau die eindrücklichste kann irgendwie nur schwer zu beantworten. Genau die eindrücklichste kann irgendwie nur schwer bestimmt werden. Mit Sicherheit aber können wir sagen, dass eine dieser Erfahrungen diejenige ist, die wir mit dem lebendigen, geteilten und gefeierten Glauben, den wir vor allem während den wöchentlichen Sonntags-Gottesdiensten zu spüren bekamen, sammeln durften.

Da wir mit der Gründung unseres Vereins nicht nur eine konkrete finanzielle Unterstützung des Proyecto Don Bosco bezwecken, sondern gleichermaßen auch Bolivien und gerade diese Erfahrungen den Menschen, denen wir hier begegnen, näher bringen und mit ihnen teilen wollen, stand uns ein besonderer Tag bevor:

An einem Sonntag im Oktober bekamen wir die Möglichkeit, im Gottesdienst in der Heimatgemeinde eines Vereinsmitgliedes von uns bolivianische Lebensfreude zu versprühen. Mit Gitarre, Klarinette, Cajón, Flöte, Gesang und animacantos versuchten wir, den Gottesdienstbesuchern das zu schenken, was uns während unserem Jahr besonders geprägt hat und uns in gewisser Weise auch als ein Geschenk ins Herz gegeben wurde. Ein Glaube, der in einem Gottesdienst voller Energie und Herzblut mit lautem Singen, Klatschen und Tanzen gefeiert und geteilt wird.

Die animacantos untermalen die Liedtexte während der Messe mit tänzerischen Bewegungen

Uns allen hat die Gestaltung des Gottesdienstes große Freude bereitet und es war ein schönes Gefühl, als sich unsere Herzen nach diesem Erlebnis wieder einmal mit all den wunderbaren Erinnerungen, die unser Jahr in Bolivien uns geschenkt hat, füllten.

— Clara

Allerheiligentreffen im November

Vom 2. bis 4. November trafen sich die Don Bosco Volunteers Plus zum alljährlichen Allerheiligentreffen in der Don Bosco-Einrichtung in Würzburg. Don Bosco Volunteers Plus bezeichnet ehemalige Freiwillige, die mit der Organisation Don Bosco einen In- oder Auslandsfreiwilligendienst absolviert haben und sich weiterhin im Sinne Don Boscos engagieren oder auch einfach den Austausch mit anderen Ehemaligen suchen. An diesem Wochenende standen Begegnung, Gespräch und Spaß, gemeinsames Feiern und tolle Workshops im Vordergrund.

Einige der Don Bosco Volunteers Plus mit dem Generalökonom Jean-Paul Muller

Das Ganze stand unter dem Motto: „What’s your mission?“, wobei wir uns Gedanken dazu machten, was wir in unserem Leben womit und wozu erreichen wollen, wie wir uns weiterhin gewinnbringend und im Sinne Don Boscos in unserer Gesellschaft einbringen können und welche Mission wir als Gruppe ehemaliger Freiwilliger verfolgen. Begleitet wurden wir dabei von zwei Referenten: Pfarrer Norbert Arntz vom Institut für Theologie und Politik in Münster, sowie dem Generalökonom der Salesianer Jean-Paul Muller aus Rom. Beide gaben uns spannende Impulse zum Thema mit und legten ihren Fokus dabei auch auf die Frage: „Die Mission von Papst Franziskus – was macht sie aus?“. Des Weiteren standen vielfältige Workshops zum Angebot, wir arbeiteten kreativ an Poetry Slams, machten uns Gedanken zum Thema „Papa und Mama demonstrieren gegen Ausländer – Wie mit Kindern und Jugendlichen über Politik reden, deren Eltern die AfD noch zu zahm ist?“, durften alte Armreife zu Traumfängern upcyclen und erfahren, wie man ökologisches Waschmittel aus Kastanien herstellen kann und sammelten Revolutionslieder, die wir unter dem Titel „Songs for Change“ am Abend zum Besten gaben.

Aus unserem BoliVIDA-Team nahmen einige Mitglieder an dem Wochenende teil, da viele von uns Don Bosco Volunteers Plus sind und sich in diesem Bereich engagieren. Auch wir haben eine ganz eigene Mission: den Kindern und Jugendlichen im Proyecto Don Bosco in Bolivien weiterhin zur Seite zu stehen und in Deutschland auf deren Situation aufmerksam zu machen. Von daher passte das Wochenende thematisch sehr gut zu unseren Aufgaben und hat uns motiviert, unsere Mission weiterhin zu verfolgen.

Darüber hinaus durften wir neue ehemalige Volos begrüßen, die im September erst aus Bolivien zurückgekommen sind, wo sie 2017/18 als Freiwillige im Proyecto Don Bosco in Santa Cruz mitgearbeitet haben. Nun möchten sie unserem Verein beitreten und uns mit frischem Wind, sowie brandneuen Informationen und Erfahrungsberichten aus Santa Cruz bereichern.


Ein herzliches Willkommen an Anna, Charlotte, Naomi, Caro und Elisa! Wir freuen uns sehr, Euch in unseren Reihen begrüßen zu dürfen.

Insgesamt verbrachten wir drei sehr schöne, spannende und bereichernde Tage in Würzburg. Vielen Dank an Benedict Steilmann, Carina Seuffert und Pater Johannes Kaufmann, die das Treffen mit so viel Engagement organisiert und gestaltet haben.

— Laura

Was steckt hinter unserem Vereinslogo?

Wir haben uns viel Zeit genommen, unser Logo zu erstellen, allerdings sollte es ja auch ein Logo werden, mit dem wir, wenn möglich, für immer zufrieden sein werden. Eines, das Wiedererkennungswert hat und natürlich einen Bezug zu Bolivien und Santa Cruz de la Sierra. Eines, das auf Zusammenhalt und Gemeinschaft hindeutet und gleichzeitig auch den Zusammenhang des Vereins mit Kindern und Jugendlichen aufweist. All dies und noch ein paar Dinge mehr haben wir in unserem Logo zusammengebracht, das wir mit Jakob Riepl aus Regensburg entworfen haben. Hier nun ein paar erläuternde Worte, über das, was wir uns beim Erstellen gedacht haben:

Im Hintergrund unseres Logos ist eine geographische Darstellung Südamerikas zu sehen, ausgefüllt mit dreieck-ähnlichen Formen, die jeweils mit einer Spitze auf einen konkreten Punkt zeigen: Santa Cruz de la Sierra, die größte Stadt Boliviens mit 1,4 Mio. Einwohnern (Stand 2012), die im südöstlichen Teil des Landes im Tiefland liegt. Im inneren Westen der Stadt ist das Proyecto Don Bosco, das von BoliVIDA e.V. unterstützt wird, zuhause. Die dreieckähnlichen Formen sind in den Landesfarben Boliviens, rot, gelb und grün, ausgemalt. Dies stellt den Bezug zur Flagge des Landes dar.

Im Vordergrund sehen wir die Konturen dreier Menschen, die sich die Hand geben. Dies soll den Zusammenhalt darstellen, zum einen zwischen den Kindern und Jugendlichen untereinander, aber auch zwischen Erzieher*innen und Kindern bzw. Jugendlichen, zwischen Erzieher*innen und Koordinator*innen, zwischen Koordinator*innen und Projektleitung, zwischen Volontären und Kindern und Erzieher*innen, aber eben auch zwischen den Spender*innen und dem Projekt. Wir, als Verein, möchten Teil des Zusammenhalts sein, quasi die Verbindung zwischen Spender*in und Projekt. Als ehemalige Volontäre kennen wir sowohl das Projekt, die Kinder und Jugendlichen, sind mit den Erzieher*innen befreundet und pflegen eine gute Beziehung zur Heimkoordination und der Projektleitung. Wir kennen aber natürlich auch die Situation der Spender*innen in Europa und möchten durch Information und Kommunikation, eine funktionierende Verbindung zwischen den beiden Teilen der Welt erschaffen bzw. aufrechterhalten. Zuletzt ist der Schriftzug unseres Namens „BoliVIDA e.V.“ noch ein Teil des Logos. Handschriftlich entworfen, soll er nochmal auf das zentrale Ziel unseres gemeinnützigen Spendenvereins hinweisen: Die Kinder und Jugendlichen des Proyecto Don Bosco, ihr Allgemeinwohl, die Ermöglichung einer glücklichen Kindheit sowie die Grundlage für ein menschenwürdiges Leben als Erwachsene.

Wir sind sehr glücklich, dieses schöne Logo als unser Vereinslogo bezeichnen zu dürfen und bedanken uns bei Jakob Riepl ganz herzlich für seine Kreativität und Hilfsbereitschaft! Ein herzliches Dankeschön im Namen aller Vereinsmitglieder!

— Katharina

Eine Idee braucht nur genug Begeisterte: über die Gründung BoliVIDAs

Ein Jahr Don Bosco Volunteer und dann…? Menschen, die ich ins Herz geschlossen habe, ein Ort der zu Hause geworden ist, ein Engagement, eine Arbeit, die mich erfüllt hat. Ist mit dem Rückflug auch der Einsatz für die Kinder und Jugendlichen des Proyecto Don Bosco in Santa Cruz zu Ende?

Mit diesen Gedanken im Sinn steckten wir als zurückgekehrte Freiwillige die Köpfe zusammen und überlegten uns, wie wir die Einrichtung auch hier von Deutschland weiterhin unterstützen könnten. Bei diesem Brainstorming entstand die Idee, einen gemeinnützigen Verein zu gründen, um uns zu vernetzen, um Aktionen zu starten, um den Einsatz der Salesianer, den wir in Bolivien erlebt haben, in die Welt zu tragen. Am Anfang schien es die verrückte Idee einiger Südamerika-verliebter Freiwilliger zu sein, doch wir konnten immer mehr Menschen mit unserer Begeisterung anstecken und somit im Januar 2017 unsere erste Vereinssitzung veranstalten. Auf der ersten Sitzung musste zunächst viel Organisatorisches geklärt werden: eine Satzung verfassen, die Gemeinnützigkeit beantragen, Telefonate und Termine bei Finanzamt und Notar… alles Sachen, mit denen wir uns bisher noch nicht auseinander gesetzt hatten und die uns anfangs etwas im Weg standen. An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an die Mitarbeiter von Don Bosco Mission, die uns bei allen Fragen zur Seite stehen. Durch diese Zusammenarbeit erhalten unsere Spender*innen eine Spendenquittung und können sich sicher sein, dass ihre Spenden gemäß dem DZI-Spendensiegel dem Proyecto Don Bosco zu Gute kommen. Seit unserer ersten Vereinssitzung haben wir einige neue Mitglieder begrüßen dürfen, darunter weitere zurückgekehrte Freiwillige, aber auch andere Interessierte.

Als Verein wollen wir auf die Lebensbedingungen aufmerksam machen, die das Leben vieler Kinder und Jugendlicher in Bolivien prägen: zerrüttete Familienverhältnisse, Armut, Gewalt, Missbrauch. Ein Ausweg für scheint für viele die Straße zu sein, die zunächst Freiheit verspricht. Doch dann kommen Kleinkriminalität, Drogen, Banden und tägliches Überleben ins Spiel. Eine Realität, die uns allen in unserem Dasein in Europa vielleicht fern vorkommen mag, die wir aber nicht von uns wegschieben sollten. Deshalb wollen wir hier vor Ort ein Stück Bolivien verkörpern. Viele von uns haben ein Jahr mit eben diesen jungen Menschen gelebt und gearbeitet und gesehen, was die Arbeit der Salesianer für diese Kinder und Jugendlichen bedeuten kann. Zunächst ist es ein Angebot, sein Leben in eine andere Richtung zu lenken, ein Raum zum Spielen und Kind sein, die Möglichkeit zur Schule zu gehen und eine Ausbildung zu machen und die Einladung zusammen Glauben zu leben. Und daraus können Perspektiven wachsen, junge Menschen, die sich ihre Zukunft ausmalen und lernen an sich zu glauben.

Konkret werden in der Einrichtung zur Realisierung dieser Ziele finanzielle Mittel benötigt. BoliVIDA e.V. sammelt Spenden um zur Deckung der laufenden Kosten des Proyecto Don Bosco beizutragen. Dies kann sich zunächst sehr ungezielt und allgemein anhören, doch nach unserer Erfahrung fallen in diese Rubrik essentielle Aspekte, wie das Gehalt des Personals. Damit die Einrichtung den Kindern ein zu Hause und das Zusammenleben familiär sein kann erscheint es uns wichtig, dass es genug Ansprech-, Aufsichts- und Vertrauenspersonen gibt. Erzieher*innen, Psycholog*innen und Sozialarbeiter*innen, die die Pädagogik Don Boscos umsetzen, sich für die Kinder und Jugendlichen einsetzen und ihnen zu Hause und Familie sind.

Mit diesen Leitgedanken ist unser Verein BoliVIDA e.V. entstanden.

— Maite

Vereinsausflug und -treffen

Nach einiger Zeit melden wir uns zurück und haben Neuigkeiten!

Über die letzten Monate saßen wir selbstverständlich nicht still, sondern haben uns überwiegend der Organisation des Vereins und Planung neuer Aktionen gewidmet. Zudem durften wir einige neue Mitglieder in unseren Reihen begrüßen, die nun ebenfalls tatkräftig mit anpacken.

Um unseren Verein als Gruppe zu stärken, haben wir das Pfingstwochenende gemeinsam verbracht, einen Vereinsausflug zum Reggaeton Beach Festival in Köln gemacht, und im Zuge des Vereinstreffens viele Ideen zu kommenden Aktionen gesammelt. So planen wir zum Beispiel, die Neue Masche-Aktion des letzten Jahres dieses Jahr wieder ins Leben zu rufen!

Im Laufe ihrer Umsetzung werden wir euch selbstverständlich auch über unsere weiteren Aktionen auf dem Laufenden halten. Bis dahin, viele Grüße von BoliVIDA!

Das Team BoliVIDA beim Vereinstreffen am 20.05.2018 in Bonn

Von Passau nach Santa Cruz – Spenden der Kirchengemeinde Heining für das Proyecto Don Bosco

Vor drei Wochen durfte ich nach Passau fahren, genauer gesagt in den Stadtteil Heining, der ca. 11.000 Einwohner zählt. Die Gemeinde der Pfarrkirche St. Severin hatte mich eingeladen, einen kurzen Vortrag über das Proyecto Don Bosco (Santa Cruz, Bolivien) zu halten, denn sie hatten Spenden für die Kinder und Jugendlichen dort gesammelt. Ich durfte also sowohl im Samstagabendgottesdienst als auch am Sonntagmorgen das Projekt kurz vorstellen. Es war sehr schön, dass so viele Gemeindemitglieder im Gottesdienst waren und auch der in der Kirche vorhandene Beamer mit Leinwand machten den Vortrag zu einer gelungenen Präsentation. Der eigentliche Grund für meine Einladung war aber der, dass die Vertreter der Kirchengemeinde mir einen symbolischen Scheck für das Proyecto Don Bosco überreichten. Nicht irgendeinen Scheck – sondern einen Scheck über 8.000€, der den Kindern und Jugendlichen in Bolivien helfen soll, ein menschenwürdiges Leben mit einem Dach über dem Kopf, genug zu Essen und ausreichend Personal für eine adäquate Betreuung zu finanzieren. Ich bin sehr erfreut, dass sich die Leute in Heining so begeistert für das Projekt einsetzen, denn es war nicht die erste höhere Summe, die von Heining nach Bolivien geht. Erst vor drei Jahren hatten sie den Kindern und Jugendlichen des Proyecto Don Bosco bereits mit 7.000€ geholfen!

Symbolische Übergabe des Spendenschecks für das Proyecto Don Bosco in Santa Cruz, Bolivien. Der Scheck über 8.000€ wurde von Pfarrer Thomas Brandl und den Mitgliedern der Pfarrgemeindrats der Kirchengemeinde St. Severin in Heining (Passau) an Katharina Schilcher als Vertretung für die Don Bosco Mission und BoliVIDA e.V. überreicht.

Im Namen sowohl der Don Bosco Mission, als auch BoliVIDA e.V. und natürlich aller Kinder und Jugendlichen des Proyecto Don Bosco in Santa Cruz möchte ich mich ganz herzlich bei allen Spendern und Spenderinnen der Kirchengemeinde Heining bedanken!

    Katharina Schilcher

„Ich kam als Fremde und ging als Freundin“

Es ist warm, laut und bunt, ich höre eine fremde Sprache und laute Musik, an den Straßenrändern sind Obststände aufgebaut, Taxis liefern sich Wettrennen in den staubigen, chaotischen Straßen und ein Huhn wird von einem Straßenhund gejagt.
Diese vielfältige Umgebung wurde für mich zum Alltag und zu meinem Zuhause, als ich im September 2015 meinen Freiwilligendienst im Herzen Südamerikas, genauer gesagt in der Millionenstadt Santa Cruz im Osten Boliviens begann. Die Vielseitigkeit des Landes zeigt sich in der kontrastreichen Natur und der kulturellen Vielfalt: neben der Amtssprache Spanisch existieren 37 indigene Sprachen und jede Einzelne bringt verschiedene Tänze, Gerichte, Kleidung und Traditionen mit sich.

Die Kehrseite der Schönheit des Landes ist die allgegenwärtige Armut, die einen Großteil der Bevölkerung betrifft. Darunter leiden vor allem Kinder und Jugendiche. Während die bolivianischen Behörden die Zahl der Straßenkinder im ganzen Land mit 4000 angeben, schätzen die UNICEF und ähnliche Hilfsorganisationen die aktuelle Zahl auf mindestens das Zehnfache. Alleine in Santa Cruz gibt es mittlerweile über 30 Kinderheime, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die aussichtslose Situation der Straßenkinder zu verbessern und ihnen eine neue Perspektive zu ermöglichen. In einem dieser Kinderheime, dem „Hogar Don Bosco“, welches vor 25 Jahren von einem italienischen Salesianerpater gegründet wurde und momentan das Zuhause von 150 Jungs im Alter von 6 bis 16 Jahren ist, war ich ein Jahr als Erzieherin tätig.

 

Die Jungs kommen mit vielen Problemen, Ängsten und belastenden Vergangenheiten ins Projekt, doch in jedem stecken mindestens genau so viele Talente, Stärken und Träume. Diese zum Vorschein zu bringen und ihnen einen Raum zur Entfaltung zu geben, ist neben der Ermöglichung einer umfassenden Schulbildung ein wichtiger Teil der Arbeit im Alltag des Kinderheims. Doch um dies zu ermöglichen musste ich in viele verschiedene Rollen schlüpfen: Erzieherin, Lehererin, Entertainerin, große Schwester, Freundin, manchmal sogar Mutter und oft auch Hausfrau. All‘ diese Eigenschaften zu vereinen war natürlich nicht immer einfach. Oft stand ich vor großen Herausforderungen, weil ich nicht wusste wie ich den Ansprüchen so vieler Jungs gerecht werden soll, da sie so unterschiedliche Bedürfnisse haben und  jeder mehr Aufmerkamkeit und Zuwendung bräuchte, als im stressigen Alltag des Heims ermöglicht werden kann.
Doch egal wie anstrengend ein Tag mit 150 Jungs auch war, am Ende des Tages ging ich immer mit einem guten, zufriedenen Gefühl nach Hause. Das lag vor allem daran, dass die letzten zwei Stunden meines Arbeitstages daraus bestanden, die jüngeren Kinder ins Bett zu bringen. Das wurde sehr schnell zu meinen Lieblingsmomenten, denn selbst die größten Clowns und Störenfriede lagen abends wie Engelchen in ihren Betten und auch ich konnte mir endlich mehr Zeit für einzelne Gespräche nehmen. Die Jungs forderten Gute-Nacht-Geschichten ein, wir beteten zusammen und sangen manchmal sogar ein Gute-Nacht-Lied. Zu jedem Einzelnen setzte ich mich noch einmal an den Bettrand und oft erzählten sie mir von ihren Sorgen oder fragten mich wie das Leben in Deutschland so ist. Nicht selten bekam ich ein „Kommst du morgen wieder?“ oder ein „Hoffentlich passt der liebe Gott gut auf dich auf!“ zu hören. Das waren für mich immer ganz besondere Momente, in denen die Jungs mir ihre Zuneigung und ihre Dankbarkeit dafür, dass jemand für sie da ist obwohl sie sonst niemanden haben, entgegenbrachten.

 

 

Doch nicht nur die Jungs waren dankbar dafür, dass ich mit ihnen arbeitete, auch ich verdanke ihnen eine ganze Menge. Sie haben mir unglaublich viel beigebracht und meinen Horizont vom Verständnis dieser Welt ein ganzes Stück erweitert. Außerdem haben sie mir gezeigt, dass man selbst in aussichtslosen Situationen nie seine Lebensfreude verlieren muss sondern im Gegenteil daran wachsen und stärker werden kann.

Ein gutes Beispiel dafür ist zum Beispiel Álvaro, der mittlerweile 16 Jahre alt ist und in seinem Leben schon so viel durchgemacht hat, dass er oft erwachsener wirkt als ich selbst. Denn obwohl er in seiner Kindheit geschlagen wurde, seine Mutter sehr früh verstarb und sein Leben alles andere als einfach war, hat er gelernt Verantwortung für sich selbst und für seine jüngeren Geschwister, um die er sich rührend kümmert, zu übernehmen um so die Familie, die ihm geblieben ist, zusammenzuhalten. Das zeugt für mich von einer unglaublichen Charakterstärke und dem Willen niemals aufzugeben. Dabei wurde mir bewusst, mit welchen Problemen sich manche Menschen schon in sehr jungen Jahren konfrontiert sehen und wie klein und unwichtig meine alltäglichen Probleme daneben wirken.

 

„Mein größter Traum ist es, dass meine Mama, mein Papa und meine Schwester endlich wieder bei mir sind.“, gestand mir der 7-jährige José  eines abends während wir uns zusammen den Sternenhimmel anschauten. „Was passiert eigentlich mit den Menschen, wenn sie sterben? Glaubst du, sie werden dann zu Sternen und passen vom Himmel aus auf uns aus?“ Als ich ihm seine Frage mit einem nachdenklichen Nicken beantwortete meinte er: „Super dann passt meine Mama immer auf mich auf!“, gab mir eine feste Umarmung, ergänzte „und auf dich auch, weil du immer auf mich aufpasst!“ und hüpfte danach unbeschwert zu seinen Freunden zurück um mit ihnen zu spielen.
Diese Szene brachte mich auch Tage danach noch zum Nachdenken. Obwohl José schon mit 7 Jahren ganz alleine auf sich gestellt ist, nimmt er sein Schicksal mit einer unglaublichen Stärke an und respektiert seine Situation so wie sie ist. Ich habe ihn noch nie jammern gehört, stattdessen hüpft er unbeschwert und lächelnd durch das Leben.

Dieses Jahr in Bolivien bedeutet mir unglaublich viel, da mir die Jungs sehr wichtig geworden sind und ich mich am Ende kaum von meinen 150 kleinen Brüdern verabschieden konnte. Ich kann wirklich sagen, dass ich als Fremde kam, die weder die Sprache noch das Land, die Kultur oder die Schicksale der einzelnen Jungs kannte. Doch mit der Zeit wurde ich zu einer Freundin, lernte mich an das bolivianische Leben anzupassen und lernte unglaublich beeindruckende Jungs mit tollen Persönlichkeiten kennen.

 

 

 

 

Johannes Bosco – Seiltänzer und Ordensgründer

Johannes Bosco – ein Mann, den man mit Kindern, Jugendlichen, Lachen, Freude, Liebenswürdigkeit, Religion, Glaube, Erziehung und vielem mehr verbinden kann. Vielen ist er heute nicht mehr bekannt und trotzdem spielen seine Gedanken und Überzeugungen eine wichtige und entscheidende Rolle in ganz vielen Kinder- und Jugendeinrichtungen auf der ganzen Welt. Aber wer war dieser Mann überhaupt und weshalb sind seine Gedanken noch heute so spürbar? Weiterlesen

BoliVIDA feat. „Neue Masche“ – großer Sockenverkauf

Ein paar Wochen hatten wir eigentlich nur Hannelore, Leon, Hilda, Bert, Gerd und
Luisa im Kopf. Mittlerweile sind sie nicht mehr in unseren Köpfen, sondern an den
Füßen unserer lieben Socken- Käufer und gleichzeitig Spender.
Aber um was dreht es sich denn eigentlich?
Um unsere grandiose Sockenaktion! Anfang Mai durften wir eine neue- Masche-
Aktion starten. Mit Hilfe eines Fundraising Unternehmens aus Freiburg („die neue
Masche“) haben wir unsere erste Spendenaktion gestartet und – wie wir alle
finden – sehr erfolgreich zu Ende geführt.
 

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