Spende von Kommunionkinder der Pfarrgemeinde Hettingen erhalten

Unter dem Motto „Kinder helfen Kindern“ haben sich die Kommunionkinder der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Hettingen dieses Jahr eine ganz besondere Aktion überlegt. Zum einen haben sie sich gemeinsam mit ihren Familien dazu entschieden, auf die üblichen Dankesgeschenke zu verzichten und den Betrag stattdessen für einen guten Zweck zu spenden. Darüber hinaus haben sie unter der Leitung der Hettinger Mesnerin Angelika Kirchgeßner in der Fastenzeit ein „Einfaches Essen“ geplant und durchgeführt.
Der Erlös dieser Veranstaltung wurde gemeinsam mit den Spenden, die durch den Verzicht auf Dankesgeschenke gesammelt werden konnten, am Montag den 15. Mai an gleich zwei Projekte übergeben. Ein Betrag von 600 Euro konnte dem Erzbischöflichen Kinder- und Jugendheim St. Kilian in Walldürn zur Einrichtung eines Wohlfühlraums zur Verfügung gestellt werden. Weitere 800 Euro Spenden konnten BoliVIDA e. V. zur Unterstützung der Kinder und Jugendlichen im Proyecto Don Bosco in Santa Cruz, Bolivien übergeben werden.

Wir von BoliVIDA e. V. bedanken uns daher ganz herzlich bei den Kommunionkindern sowie deren Eltern für die großzügige Spende und bei Angelika Kirchgeßner für die Organisation und Koordination des Projekts!

 

Freiwilligendienst in Bolivien: „Erziehen ist vor allem Sache des Herzens!“

Katharina Schilcher, jetzt 22 Jahre, hat nach ihrem Abitur 2013 erst einmal Deutschland hinter sich gelassen und ist nach Bolivien geflogen – aber nicht, um die Welt zu bereisen, sondern um in einem Heim für Kinder und Jugendliche auszuhelfen. Dies war im Hogar Don Bosco, einem von sieben Häusern des Proyecto Don Bosco im warmen Santa Cruz de la Sierra.

WAS HAST DU WÄHREND DEINES AUFENTHALTES GEMACHT? WAS WAREN DEINE AUFGABEN?

Ich wurde zu Beginn meines Freiwilligendienstes einer Gruppe zugeteilt. Es waren dreizehn Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren, die alle in die zweite Klasse gingen. Meine Aufgabe war es, ihre Erzieherin zu unterstützen, also quasi ein bisschen „zweite Mami“ für die Kinder, die kaum noch Kontakt zu ihren Familien hatten, zu sein. Ich weckte sie morgens auf, frühstückte mit ihnen und brachte sie dann zur „Hausaufgabenstunde“. Dort machten sie ihre Hausaufgaben mit der Unterstützung von Lehrerinnen, was den Kindern sehr zugute kam, da sie durch ihre teilweise sehr belastenden Geschichten oft Konzentrationsprobleme hatten. Mittags kam ich dann wieder, half beim Suchen der Schuluniformen, aß mit ihnen Mittag und sie erzählten mir, wie der Morgen verlaufen war. Es war jedes Mal eine Freude zu hören, wenn Carlitos wieder der schnellste bei den Mathe-Aufgaben war und Hevert ganz stolz erzählte, was er noch schönes gemalt hat. Und Jairo verschmitzt meinte, er sei nach der Hälfte ausgebüxt, aber dann doch wieder ins Klassenzimmer zurückgekommen, um die Hausaufgaben zu beenden. Bevor die Erzieherin und ich die Kleinen nachmittags zum Unterricht in die Schule brachten, versammelten wir uns nochmal im Gruppenraum, packten Rucksäcke und sprachen ein Gebet. Abends, nachdem sie aus der Schule kamen, begann die coolste Zeit des Tages! Wir hatten Zeit zum Spielen, Malen und Basteln. Kurz Abendessen und dann ging’s draußen im „Recreo“ weiter: Diabolos, Karussell, Wippen und Schaukeln, Fußball und Volleyball, Musik und Tanz erfreuten Kinder und Erzieher. So viel gelacht und geschwitzt wurde den ganzen Tag nicht! Und auch wenn der Tag zuvor anstrengend war, weil die Kinder halt doch nicht so viel Lust auf Hausaufgaben oder Schule hatten, wurden die ganzen Bemühungen jetzt durch ihre strahlenden, glücklichen Gesichter belohnt und man wusste, wofür man sich ins Zeug gelegt hatte! Zum Abschluss des Tages wurde noch geduscht und ich las eine Gute-Nacht-Geschichte vor… oder zwei… oder drei…

WIE HAT DICH DIE ARBEIT IM HOGAR DON BOSCO BEEINFLUSST?

Während ich in Bolivien war, dachte ich: „Wieso sagen alle, dass man sich verändert? – Ich bin immer noch so wie vorher!“ Erst als ich zurückkam, bemerkte ich, dass dies absolut nicht der Wahrheit entsprach! Zum einen finde ich die Überflussgesellschaft mit ihren „first-world-problems“ wirklich anstrengend. Ganz schlimm ist der Überfluss an Essen, welches so lange im Kühlschrank gelagert wird, bis es vergessen und weggeworfen wird. Wenn ich die Geschichten der Kinder dem gegenüberstelle, wird mir einfach nur schlecht. Wenn Eltern drei Jobs arbeiten und trotzdem nicht genug verdienen, müssen die Kinder betteln und stehlen, nur um ihre Mägen füllen zu können – und wir werfen die leckersten Lebensmittel weg, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben! Zum anderen habe ich mein Verhalten im Hinblick auf viele Dinge verändert. Zum Beispiel ist die Tatsache, zu teilen, für mich selbstverständlich geworden! Sei es die Picknick-Decke, mein Pausenbrot, eine Tasse Kaffee oder mein WG-Zimmer. Wenn jemand etwas braucht, was ich ihm geben kann, biete ich es ihm an. Selbstverständlich ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Ich denke, das fehlt vielen Europäern, jedenfalls habe ich das so, wie ich es von der bolivianischen Bevölkerung erfahren habe, nie in der Öffentlichkeit in Deutschland mitbekommen.

WÜRDEST DU DEIN VOLUNTARIAT NOCH EINMAL MACHEN?

Ja, auf jeden Fall! Es war eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. Ich habe eine Menge gelernt, konnte andere Dinge weitergeben und hatte ein super interessantes und spannendes Jahr mit vielen Erfahrungen. Natürlich läuft nicht immer alles nach Plan! Man muss mit Rückschlägen fertig werden, akzeptieren, dass sich Pläne nicht einfach umsetzen lassen und Kinder nicht immer das cool finden, was man ihnen gerade beibringen möchte. Doch die schönen Momente überwiegen, zusammen mit der Freude der Jungs und der Dankbarkeit der Projektleitung. „Erziehen ist vor allem Sache des Herzens!“ – dies war Don Boscos Überzeugung und mit ihr kommt man meiner Meinung nach einer besseren Welt einen kleinen Schritt näher!

Video | Grüße aus dem Hogar Don Bosco, Santa Cruz

Hallo ihr Lieben! Wir freuen uns, verkünden zu dürfen, dass BoliVIDA nun in den Startlöchern steht! Unsere erste große Aktion läuft auf Hochtouren (Infos folgen in Kürze!) und viele andere Projekte sind in Planung. Mit all diesen Ideen wollen wir das Hogar Don Bosco in Santa Cruz fördern und brauchen dafür vor allem eure tatkräftige Unterstützung. Um sich immer wieder vor Augen zu führen, dass die ganzen Mühen, Nervenzusammenbrüche und Zeit, die in Bolivida bisher geflossen sind, es absolut wert sind, eignen sich kleine Motivationsschübe direkt aus der Quelle. Für alle, die gerne einen Einblick in die Welt bekommen möchten, in die unsere Arbeit und (womöglich auch eure) Spenden fließen, haben wir heute ein kurzes Video.  Mehr gibt es auch gar nicht zu sagen – seht selbst!

Freiwilligendienst in Bolivien: „Das Volontariat zu machen, war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte“

Die 19-jährige Maite Görtz Lizarraga war nach dem Abitur ein Jahr lang in Santa Cruz/Bolivien. Im Don Bosco Hogar hat sie Kinder und Jugendliche bei den Hausaufgaben betreut und Freizeitaktivitäten organisiert. Die meisten Jungen im Hogar haben keinen Kontakt mehr zu ihren Familien und sind auf sich allein gestellt. Viele haben familiäre Gewalt erfahren, auf der Straße gelebt und Probleme mit Drogen.

Was hat dich während deines Aufenthalts in Bolivien besonders berührt?

Es gab während dieses Jahres Momente zum Lachen, zum Weinen, zum Nachdenken und zum Schmunzeln. Auf die eine oder andere Weise hatten viele dieser Momente etwas sehr berührendes. Beim abendlichen Gute Nacht sagen, zum Beispiel, gab es zahlreiche solcher Momente. Abends liegen die Jungen wie Engelchen in ihren Betten, lauschen meinen Geschichten oder wollen noch ein paar Lieder vor dem Einschlafen singen. Dann folgt meistens eine Gute Nacht Umarmung und einen Gute Nacht Kuss. Ein Junge hat mir jeden Abend ein Kreuz auf die Stirn gemalt, und mir gewünscht, dass Gott und mein Schutzengel mich immer beschützen mögen. Dieser reine und aufrichtige Glaube hat mich sehr berührt und inspiriert.

Ein weiterer bewegender Moment, lässt sich am besten mit folgendem Zitat beschreiben: „Du bist die erste Person in meinem Leben, die sich um mich sorgt und kümmert, ohne dass ich danach gefragt habe.“ Dies sagte mein 16-Jähriges Patenkind, nach einem langen Gespräch über sein Leben. Er erzählte mir viel über seine Vergangenheit, die vielen Enttäuschungen und Ängste und sogar von der manchmal aufkommenden Lustlosigkeit zu leben. Diese Worte machten mich auch traurig, denn ich wusste, dass ich bald nach Deutschland zurückkehren würde. Und ich hatte keine Ahnung, wann wir uns wiedersehen würden.

„Doch mittlerweile glaube ich, dass es viel wichtiger ist, einem jungen Menschen die Hoffnung wieder zu geben, dass es sehr wohl Menschen gibt, die sich um einen kümmern.“

Ich hatte Angst, dass er sich wieder im Stich gelassen fühlt. Doch mittlerweile glaube ich, dass es viel wichtiger ist, einem jungen Menschen die Hoffnung wieder zu geben, dass es sehr wohl Menschen gibt, die sich um einen kümmern. Menschen, die sich um einen sorgen, ohne Grund einfach nur so. Dass das Leben nicht nur aus Enttäuschungen und Einsamkeit besteht, sondern dass es auf dem Weg durch das Leben Menschen geben wird, die sich um ihn sorgen und kümmern werden, ohne Fragen zu stellen.

Hat das Jahr dich verändert?

Mit der Zeit sind mir Veränderungen an mir aufgefallen, mit denen ich teilweise nicht gerechnet hätte. Wer hätte jemals gedacht, dass ich Studieren als egoistisch und sehr selbstbezogen empfinden würde? Aber so ist es! Ich bin im letzten Jahr so in meiner Aufgabe aufgegangen, dass mir das Studium als Lebensinhalt einfach manchmal nicht ausreicht.

Für die Zukunft betrachtet hat es natürlich seinen Sinn, doch gerade in diesem Moment, in dem ich in der Statistikvorlesung drohe abzuschalten, könnte ich versuchen, etwas zu bewegen, ein Kind trösten und zum lächeln bringen und meine Kraft nicht nur für mich behalten. Ich denke, ich bin in diesem Jahr ein etwas selbstloserer Mensch geworden, denn Sachen einfach nur um meinetwillen zu tun, reicht mir nicht mehr.
Außerdem habe ich auch gelernt, wie viel ich doch in meinem Leben habe, das wertvoll und kostbar ist. Eine Familie und einen Ort zu haben, den man zu Hause nennt und an den man immer zurückkehren kann. Ich habe viele Jugendliche kennengelernt, die sich das um alles in der Welt wünschen.

Eltern, die ihre Kinder schlagen und zurückweisen , Probleme mit der Polizei, die Überlegung bei Überfällen jetzt auch ein Messer zu benutzen, das Leben auf der Straße, Die Jungen haben oft nur in Bruchteilen von ihrem Leben erzählt, doch als ich dann einmal aufgefordert wurde, mein bisheriges Leben zu beschreiben, habe ich mich nicht getraut, den Mund aufzumachen. Denn plötzlich kamen mir meine ganzen Ängste, Sorgen und Probleme so banal, ja vielleicht sogar, lächerlich vor. Und diese Situation rufe ich mir jetzt oft vor Augen, wenn ich vor einem Problem stehe. Diese ganze Überlegung hat für mich auch viel mit der Suche nach Glück zu tun. In unserer Gesellschaft haben wir oft das Gefühl, immer mehr haben, mehr machen zu müssen, und in dieser ständigen Suche und Hast fällt uns oft gar nicht auf, wie viel Glück wir schon haben.

Würdest du anderen jungen Leuten auch zu einem Volontariat raten?

Das Volontariat zu machen, war die beste Entscheidung, die ich nach meinem Abitur treffen konnte. Ich habe in diesem Jahr so viel gelernt, über mich und andere, über eine andere und meine eigene Kultur. Ich habe so viel erlebt: Glück und Leid, Hoffen und Hoffnungslosigkeit, Lachen und Weinen. Ich habe nicht die Welt gerettet, aber vielleicht habe ich ein paar Funken Hoffnung wieder entfacht, ein paar Träume aufgefangen und wieder zum Fliegen gebracht und ein paar Sorgen durch Lächeln ausgetauscht. Die Leute fragen immer: „Wie war’s in Bolivien?“, und am liebsten würde ich Ihnen sagen: „Unbeschreiblich! Aber um das genau zu verstehen, müsst ihr es selber erleben.“

Foto: Don Bosco Straßenkinder